Bisherige Veranstaltungen

Bass-Babelsberg 2014


Leo Schmidt

„Im Grunde meines Herzens“, sagt Leo Philipp Schmidt, „bin ich immer noch der RocknRoller, der ich früher war.“ Und das erklärt schon sehr viel. Er meint damit die Vorliebe für mitreißende Rhythmen, für das Sägen einer geil verzerrten E-Gitarre, für die Überzeugungskraft einer eindrucksvollen Stimme, die keineswegs im klassischen Sinne schön sein muss. Das heißt auch: Mut zur Selbstermächtigung, zur Neugier und Grenzüberschreitung, dazu, sich vorbehaltlos auszuprobieren, auch wenn das bedeutet, Anstandsregeln und Konventionen vom Tisch zu wischen und sich neue, eigene zu erschaffen.

 

Die Vision des vielseitig begabten Leo Philipp Schmidt führt weit weg von dem, was man landläufig unter Rock versteht. In einem künstlerisch geprägten Haus aufgewachsen, griff er schon frühzeitig zu Pinsel und Ölfarbe. Später war da die Musik, erst Bach, klassische Musik, dann Gitarren, Grenzenlosigkeit, Groove. Im Lauf der Zeit kamen auch noch andere künstlerische Ausdrucksformen hinzu, Skulptur und Bildhauerei, Architektur und Städteplanung, Theater und Film, Schreiben, Drehbücher und Lyrik, und all dies folgt einem subtilen Zusammenspiel von Erfahrungen und Beziehungen, von menschlichen Begegnungen und inhaltlichen Anregungen, die das reisefreudige Talent von den verschiedenen Orten seines Lebenswegs mitbringt.

 

Als Musiker spielt Schmidt zunächst Keyboard und Flöte, sehr vielversprechend, mit seiner Band hat er die Gelegenheit, bei einer Veranstaltung die Bühne für Deep Purple vorzuheizen. Eine langwierige Krankheit in der Jugend reißt ihn aus allen Zusammenhängen. Im Krankenhaus ist er auf sich selbst geworfen und beginnt, sich noch einmal neu mit Musik zu beschäftigen. Seitdem versteht er sich in seiner Musik in erster Linie als Komponist. Als einer jedoch, dem Branchenregeln egal sind, der komponiert, was ihm gerade wichtig erscheint: orchestrale Konzerte mit Cembalo und/oder im Geist der Minimal-Music, kammermusikalische Pretiosen für zwei Klaviere, drei Celli oder andere außerordentliche Besetzungen, nonkonformistische Soul- oder Rocksongs, in denen Geigen den Druck und den Dreck beisteuern, für den doch eigentlich die Schaltkreise der E-Gitarren zuständig sind. Nichts ist ausgeschlossen, und vieles abhängig von den Musikern, die Schmidt Schritt für Schritt, Begegnung für Begegnung um sich schart.

 

Als Schmidt in seinem Leben an den Punkt kommt, wo man sich einen Beruf fürs Leben wählt, da nimmt er eine weitere unerwartete Abzweigung: Schmidt studiert Medizin, ist längst Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und betreibt mit seiner Frau, der ebenso vielseitig aufgestellten Filmemacherin und Drehbuchautorin, Anästhesistin und  Ärztin für Schmerztherapie, Johanna Michel, ein Medizinisches Versorgungszentrum für das schulmedizinisch noch weitgehend unerschlossene Feld der interdisziplinären Schmerztherapie. Doch Schmidt akzeptiert keine Reinheitsgebote und schreckt nicht vor Vermischungen und Verwischungen zurück. Alles fließt für ihn zusammen; all die verschiedenen Interessen und Tätigkeitsbereiche, die auf diesen Wegen erworbenen Arbeits- und Freundschaftsbeziehungen, gehören zusammen und befruchten sich wechselseitig. Die Trancewirkung afghanischer Trommelrhythmen entfaltet therapeutisches Potential in der Behandlung von Schmerz- und Traumapatienten und taucht später in Kompositionen wieder auf, die es mit Hilfe der Stimme von Jessica Rhaye, einer Sängerin von der fast schon arktischen, kanadischen Ostküste bis in die Charts der frankophonen Welt schaffen. Dass er mit seiner inklusiven Grundhaltung nicht in die jeweiligen exklusiven Schubladensysteme des etablierten Wissenschafts-und Kulturbetriebs passt,der sich  um die Reinhaltung seiner Marktstrategien sorgt , versteht sich von selbst. Für ihn sichert die  Kultur  essentiell das gemeinschaftliche Leben.

 

Der Drang nach dem großen Bogen ist es auch, der hinter dem derzeit ambitioniertesten Projekt der so vielseitigen Lebens- und Arbeitspartner Leo Philipp Schmidt und Johanna Michel steckt: das Akronym B.A.S.S. (für: Bridging Art and Science Symposium) steht für eine Reihe von Veranstaltungen, bei denen neueste Erkenntnisse aus den Künsten sowie aus Naturwissenschaften wie der neurobiologischen Gehirnforschung gleichberechtigt miteinander interagieren. Dabei schöpfen die beiden VeranstalterInnen aus dem großen Fundus an vertrauten, hochklassigen Mitarbeitern und Kollegen, Schauspielern verschiedener Sparten, Musikern aus der klassischen europäischen und solche aus indischer oder afghanischer Musik, aus Folk, Rock und Jazz aus aller Welt, die im Verlauf ihrer vielfältigen Unternehmungen zu Freunden geworden sind. War sich die erste Auflage dieses außergewöhnlichen Symposiums in der Universität für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg selbst noch Titel genug, umspielt die aktuelle, zweite B.A.S.S.-Ausgabe am Oktober 2016 in der Frankfurter Alten Oper das Leitmotiv „Bewusst. Sein“. Ein Strauß von Vorträgen von Koryphäen wie dem  Neurowissenschaftler ,Schmerzforscher und ehemaligen Leiter der Abteilung Klinische Neuropharmakologie am Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie, Walter Zieglgänsberger, von Performances mit der Schauspielerin Regina Stötzel und anderen, einer Einführung in das Konnakol, eine Silbensprache, mit der die komplexen Rhythmen der klassischen indischen Musik vokalisiert werden kann und verschiedenen Konzerten mit Kompositionen von Leo Philipp Schmidt, leitet über in das krönende B.A.S.S.-Projekt, ein Multimedia-Event mit Künstlern aus zwölf Ländern, bei dem Schmidt nicht nur die Musik, sondern auch das Artwork realisiert hat. So vielfältig die Klänge und stilistischen Querverweise auch sein werden, auf ihre entschieden eigenständige Art und Weise wird diese Musik einfach nur sein: bewusst. grenzüberschreitend.Und sie wird rocken.

 

 

Hanna Michel

Is an anaesthesiologist, specialized in pain treatment

Together with Leo Schmidt she runs a medical centre
 
She produces music, films and videos,
 
She writes screenplays.


And she is a mother of three wonderful girls